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Jahresrückblick 2025 der Bürgermeisterin | 19.12.2025
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,
wir leben in herausfordernden Zeiten. Deutschland ist 80 Jahre nach Kriegsende geopolitisch eingeklemmt zwischen einem gewalttätigen, tyrannisch geführten Russland und transatlantischen Partnern, die unkalkulierbar geworden sind. Wettrüsten – oder das Herstellen der Verteidigungsfähigkeit - ist plötzlich eines der zentralen Themen unserer mittelfristigen Bundespolitik. Wer hätte damit gerechnet, dass Russland parallel zum Kriegsschauplatz in der Ukraine auch schon Europa herausfordert wie die Beispiele des Angriffs auf das GPS-System des Flugzeugs unserer EU-Kommissionspräsidentin und die mehrfachen EU-Luftraumverletzungen durch Drohnenflüge zeigen. Zugleich stecken wir in einer tiefen Wirtschaftskrise. Die alte und die neue Bundesregierung haben in ihrer Übergangszeit den Anschein erweckt, komplexe Probleme allein mit Geld in Form eines milliardenschweren Sondervermögens zu lösen. Alles Themen, die unmittelbare Auswirkungen auch auf unsere Gemeinde haben – nämlich, wenn es um die auskömmliche Finanzierung unserer Aufgaben hier vor Ort geht. Ohne grundlegende Reformen, ohne entschlossene Einsparungen droht das geschnürte Schuldenpaket zu verpuffen, der Herbst der Reformen auch später nicht zu kommen. Mit dem bitteren Nebeneffekt: Dem Vertrauensverlust in die Leistungsfähigkeit und Ernsthaftigkeit unseres Staates. Wer Milliarden ausgibt, aber keine Reformen liefert, gefährdet mehr als nur Haushaltszahlen – er untergräbt das Fundament demokratischer Verantwortung.
Lenken wir unseren Blick nun aber auf unser ereignisreiches Jahr in Kreßberg. An dieser Stelle lasse ich bereits zum fünften Mal unser Jahr Revue passieren. Bürgerschaft, Vereine, der Gemeinderat und die Verwaltung haben die Gemeinde gemeinsam positiv weiterentwickelt und noch ein Stückchen lebenswerter gemacht.
Ganz traditionell sind wir beim gut besuchten Neujahrsempfang der Gemeinde gemeinsam in das Jahr 2025 gestartet. Thematisiert habe ich in meiner Ansprache unter anderem die gesamtwirtschaftliche Lage. Sie ist ganz entscheidend für unseren Wohlstand hier vor Ort. Zum Ende des Jahres hat uns in Kreßberg der Inhalt meiner Neujahrsansprache wieder eingeholt. Die Gewerbesteuereinnahmen sind stark eingebrochen und führen für die kommenden Jahre zu enormem Einsparungsdruck in allen Bereichen, in denen unsere Gemeinde engagiert ist. Umso wichtiger wird künftig das Engagement jedes Einzelnen zugunsten der Gemeinschaft sein. Dass wir Menschen haben, die uneigennützig für andere da sind, hat sich 2025 wieder mehrfach gezeigt. Ein besonderes Highlight war die Einweihung eines Spielplatzes in Waldtann, der komplett durch ehrenamtliche Kräfte geplant, errichtet und mittels Spenden finanziert wurde. Die Bürgerstiftung hat sich ebenfalls diesem Bereich gewidmet und mit ihren Spenden an den Kinderspielplatz Bergbronn einen Aufsitzrasenmäher mitfinanziert und eine Selbsthilfegruppe für Trauernde unterstützt. Bürgerengagement und zugleich Bürgerbeteiligung hervorgebracht hat das neu eingeführte Bürgerbudget: Im Rathaus wurde ein Bücherregal aufgebaut und regt von nun an zum Tausch von Büchern an. Ein vierstelliger Betrag steht seit diesem Jahr jährlich für die Umsetzung kreativer Ideen durch unsere Mitbürgerinnen und Mitbürger zur Verfügung. Gefreut habe ich mich, dass ich im Rahmen des Neujahrsempfangs erstmals drei herausragende gesellschaftliche Stützen unseres Gemeinwesens mit dem neu eingeführten Goldenen und Silbernen Krebs ehren konnte: Gesamtfeuerwehrkommandant Martin Kett, Gemeinderat Bernd Kaspar und den Vorstand des BC Marktlustenau Eddi Dänzer.
Die Arbeit des Rathausteams war 2025 wieder von Baumaßnahmen geprägt. Mit der Fertigstellung eines Friseursalons im Geschäfts- und Ärztehaus in Waldtann setzten wir den weiteren Ausbau des Gebäudes konsequent fort. Den wohl größten Coup des Jahres stellte der Einzug des Hausarztes Dr. Jannik Beller in die dortige Arztpraxis zum 01.12.2025 dar. Nachdem der vorherige Praxisbetreiber seine Pläne einer Großpraxis in Stimpfach bekannt gemacht hatte, gleicht es einem Sechser im Lotto überhaupt einen Nachfolger für die Räume gefunden zu haben.
Am 19.07.2025 konnte das viergruppige Kinder- und Krippenhaus in Waldtann nach nur 18-monatiger Bauzeit im Beisein vieler Besucher mit einem Tag der offenen Tür eingeweiht werden. Unsere Kindergärten und die Schule waren im vergangenen Jahr ein Schwerpunkt unserer Investitionen: Wir haben darüber hinaus einen neuen Spielturm für den Kindergarten Haselhof beschafft sowie unsere Einrichtungen mit moderner Technik in Form von Laptops und Apple-TVs ausgestattet. In der Schule erfolgte die Umsetzung des zweiten Bauabschnitts der Pelletheizung in Form der Anbindung der Kreßberghalle und der Installation der Einzelraumsteuerung in der Schule selbst.
Die Sanierung des alten Rathauses in Marktlustenau nahm Fahrt auf: Das Dach wurde neu eingedeckt, die Heizung getauscht, die Fenster und Türen teilweise erneuert und die Elektro- und Sanitärinstallationsarbeiten sind in vollem Gang.
Sehr viel mehr Geld und Zeit als in den Hochbau hat die Verwaltung in laufende Tiefbauprojekte investiert. Unser Fokus lag weiterhin auf der ganzheitlichen Betrachtung unserer Abwasserreinigungsanlagen. Die Sanierungs- und Erweiterungsarbeiten an der Sammelkläranlage in Riegelbach konnten abgeschlossen werden. Dieses Projekt stellt mit knapp 9 Millionen Euro die größte Einzelinvestition in die Infrastruktur an einem Standort in der Geschichte der Gemeinde dar. Der Anschluss der Kläranlage Wüstenaus an die Sammelkläranlage wurde ebenfalls abgeschlossen. Damit enden Mammutprojekte, die zur Anpassung an die aktuellen gesetzlichen Vorgaben und aus Umweltschutzaspekten notwendig wurden. Beide vorher rund 50 Jahre alten Anlagen sind nun wieder lange Zeit auf modernstem Stand der Technik.
Im Sommer erfolgte der Start des Breitbandausbaus für die Gebiete der sogenannten „dunkelgrauen Flecken“ in Marktlustenau, Bergbronn und Waldtann mit einem Spatenstich. Es folgen im kommenden Jahr die Teilorte Leukershausen und Mariäkappel-Haselhof. Mit einer Investitionssumme in Höhe von 6,7 Mio. Euro wird es ebenfalls eines unserer größeren Projekte – mit dem Unterschied, dass wir dafür lediglich 800.000 Euro an Eigenmitteln in die Hand nehmen müssen. Den Rest von fast 90 % der Kosten teilen sich Bund und Land.
Zwei weitere Spatenstiche läuteten den Startschuss für das Baugebiet Bergbronner Feld in Waldtann ein und den Erschließungsbeginn des Interkommunalen Gewerbeparks bei Bergbronn. Mit Kosten von rund 1,5 Mio. Euro für das Wohnbaugebiet in Waldtann und rund 2,3 Mio. Euro für die Gewerbeentwicklung, die sich Kreßberg und Fichtenau teilen, gehören diese Projekte ebenfalls zu unseren Hauptaufgaben in 2025 und 2026.
Neben Feldwegeunterhaltungsmaßnahmen bei Schönbronn, Gaisbühl und Bräunersberg wurden die Deckschichten für die Gemeindestraßen im Baugebiet Obere Schanze I in Mariäkappel und im Breitwasen in Marktlustenau aufgebracht.
Zu den Unterhaltungsmaßnahmen gehörte auch der Umbau der Durchschreitebecken und die Modernisierung der Sanitäranlagen im Waldfreibad, die nach Ende der Saison begannen. Aus Arbeitsschutzgründen haben die Bademeister und das Team des Bauhofs ein Häuschen für die Badeaufsicht errichtet. Einen sehr bereichernden neuen Kioskpächter konnten wir in Person von Christian Westerfeld aus Marktlustenau für die Saison gewinnen.
Die Außenanlagen hinter der Halle Haselhof wurden ebenfalls von unserem Bauhofteam in Eigenregie angelegt. Die Halle in Waldtann erhielt eine neue Vorhanganlage für die Bühne und die Halle in Marktlustenau eine neue Beschallungsanlage.
Für die Sicherheit unserer Bürger und deren Hab und Gut haben wir einen neuen Feuerwehrbedarfsplan beschlossen, der an die heutigen Gegebenheiten angepasst ist. Einen neuen Gerätewagen Transport für die Kreßberger Feuerwehr haben wir ebenso in Auftrag gegeben wie die Vergabe von Ingenieurleistungen zur europaweiten Ausschreibung und Beschaffung eines sogenannten Tanklöschfahrzeugs 3000. Die Entschädigung für den Einsatzdienst der ehrenamtlichen Feuerwehrangehörigen haben wir deutlich erhöht.
Im Bereich der Bauleitplanung haben wir für einen Bebauungsplan in Bergbronn alle bürokratischen Hürden genommen und das Verfahren für ein neues Wohnbaugebiet am südlichen Ortsrand abgeschlossen sowie alle Grundstücke erwerben können. Der Bebauungsplan Obere Schanze II für Mariäkappel schreitet voran, die mehrstufigen und ausufernden Beteiligungsrunden von Behörden und Öffentlichkeit und die Topografie vor Ort zeichnen jedoch kein schnelles Ende des Planungsprozesses ab.
Um in allen Bereichen zeitgemäß arbeiten zu können, setzten wir die begonnene Beschaffungspolitik 2025 nahtlos fort: Für den Fuhrpark des Bauhofs wurden ein neuer Radlader und ein neuer Avant-Multifunktionslader beschafft sowie die digitale Zeiterfassung im Kindergarten und der Schule weiter ausgebaut. Im Rathaus haben wir mit der Einführung eines EC-Kartenzahlungsterminals und einer digitalen Passbildstation unseren Service ausgeweitet.
Die Anzahl Geflüchteter hat sich von 71 Personen auf nun mehr nur noch 36 Personen deutlich reduziert, sodass unsere Unterkünfte ausgereicht haben und Neuanmietungen nicht notwendig wurden.
Mit der EnBW ODR haben wir uns auf die Verpachtung des Leitungsrechts in unseren Straßen für weitere 20 Jahre geeinigt. Für diese Konzession erhält die Gemeinde rund zwei Millionen Euro.
Bei all den Ausgaben behielten wir auch die Einnahmeseite im Blick und haben die Gewerbesteuer, die Grundsteuer und die Hundesteuer sowie die Wasser- und Abwassergebühren an die aktuelle Preisentwicklung angepasst.
Leider mussten wir uns auch von sehr bereichernden und liebgewonnenen Personen verabschieden: Unsere Pfarrerin Cornelia Schmutz nahm eine neue Herausforderung im Kreisklinikum an und unsere fast vier Jahrzehnte bei der Gemeinde beschäftigte Hauptamtsleiterin Birgit Macho verabschiedete sich in den Ruhestand. Für sie hießen wir Laura Gäbler im Team willkommen.
Viel Mut wird allen Akteuren in 2026 abverlangt werden hinsichtlich der Konsolidierung unserer Bundes-, Landes-, und Kommunalhaushalte. Ein „weiter so“ bei der Unterfinanzierung der Kommunen und den explodierenden Kosten unseres Sozialsystems darf es nicht geben. Für uns wird auch die Umsetzung des Ganztagsanspruchs für Schulkinder und der damit verbundenen Anzahl von maximal 20 Schließtagen pro Jahr zur Herausforderung bei der Organisation und Personalaquise.
Für Kreßberg bin ich dennoch zuversichtlich, dass wir die anspruchsvoller werdenden Herausforderungen 2026 konstruktiv gemeinsam meistern werden.
Mit den besten Wünschen für ein friedvolles und gutes gemeinsames neues Jahr 2026 geprägt von Gesundheit, Glück und Zufriedenheit und meinem Dank an alle in unserer und für unsere Gemeinde Engagierten schließe ich meinen Rückblick auf das Jahr 2025.
Ihre
Annemarie Mürter-Mayer
Bürgermeisterin